Ratten sind Rudeltiere und müssen mindestens zu zweit gehalten werden. Der Mensch kann der Ratte nie den Sozialpartner ersetzen, das wäre genauso, wie wenn ein Mensch auf der berühmten einsamen Insel mit einem Affen zusammen sitzen würde. Die Gesellschaft mag zwar nett sein, kann aber nie eine Kommunikation unter Artgenossen ersetzen.
Und wenn man jemals mehrere Ratten übereinander gestapelt schlafen gesehen hat, dann weiß man auch, warum es auf jeden Fall zwei Tiere sein sollten.
Ich persönlich denke, dass vier Tiere vom Sozialverhalten her für den Liebhaber am besten geeignet ist..
Ratten kommunizieren untereinander in der Regel im Ultraschallbereich, das heißt, dass 90% der "Unterhaltung" wir überhaupt nicht mitbekommen, da wir in diesem Bereich nicht hören können. Es wird vermutet, dass der Demutsschrei im Rudel aggressionshemmend ist, das heißt, dass ein rangniederes Tier damit den höheren Rang des anderen anerkennt.
Auch die gegenseitige Fellpflege dient zur Festigung der Rangordnung im Rudel, niedere Rudelmitglieder werden oftmals von ranghöheren Tieren zwangsgepflegt.
Vergesellschaften von Ratten ist nicht immer ganz einfach. Es gibt Ratten, die verstehen sich sofort, andere brauchen Ewigkeiten. Aus Erfahrung weiß ich, dass Tiere, die in einem Zimmer stehen, sich normalerweise problemlos Vergesellschaften lassen, jedoch fremde Tiere von außen, vor allen, wenn es ausgewachsene Tiere sind, können zu Problemen führen. Bei Tieren von außen und im Zweifelsfalle auch bei den eigenen Tieren empfehle ich daher grundsätzlich, als erstes beide Käfige in "Richreichweite" zu stellen und nach ein paar Tagen mit Käfig- oder Streutausch anzufangen. Sinn der Sache ist, dass sich der Geruch beider Tiere angleicht, so dass der Fremdgeruch verschwindet.
Was den Tip mit der Reichreichweite angeht, möchte ich hier hinzufügen, das es bei manchen Tieren funktioniert und es bei anderen Tieren so ist, das es nur zu noch mehr Aggressionen führt. Daher wäre es in einem solchen Fall sinnvoll, die Tiere so weit auseinander zu stellen, das sie sich nicht dauernd riechen können. Die einzelne Vorgehensweise hängt immer vom Verhalten der Tiere ab.
Hat man das einige Tage gemacht, kann vorsichtig versucht werden, die beiden Tiere/Gruppen an einem neutralen Ort miteinander bekannt zu machen. Sollte dieses immer noch zu heftiger Aggression führen, macht man mit dem Käfigtausch weiter und versucht es später noch mal. Bitte am besten beim ersten Kennen lernen immer Wassersprühflasche und einen dicken Handschuh bereit halten, damit man im Zweifelsfalle bei zu heftigen Streitigkeiten eingreifen kann.
Übrigens ist es eine weit verbreitet Meinung, das alle Babys einen Welpenschutz haben, das stimmt leider so nicht. Nur die Babys, die im eigenen Rudel aufwachsen, haben Welpenschutz, bis sie etwa 6 Wochen alt sind, dann müssen auch sie um ihren Rang im Rudel kämpfen. Fremde Babys haben ganz sicher keinen Welpenschutz.
Leider hab ich schon miterleben müssen, wie dieser Welpenschutz bei fremden Babys von den Haltern angenommen wurde und sie die Babys zu erwachsenen Böcken gesteckt haben. Leider ist das für die beteiligten Babys nicht gut ausgegangen. Darum bin ich immer sehr vorsichtig!
Sollte die Zusammenführung auf neutralem Boden mehrmals erfolgreich gewesen sein, sollte der Käfig richtig geschrubbt werden, damit kein Rudelgeruch mehr vorhanden ist. Am besten ist es eigentlich noch, wenn ein komplett neuer Käfig verwendet wird, denn diesen kann niemand sein Eigen nennen. Kleinere Streitigkeiten sind übrigens normal, auch wenn dabei schon mal etwas Fell fliegt oder mal ein kleiner Kratzer entsteht. Aber es darf wirklich nur ein kleiner Kratzer sein. Außerdem sollte man die Integration sofort beenden, wenn man das Gefühl hat, dass eins der Tiere verstört wirkt.